Mayferesegna Schule

Bei unserem Besuch der Mayferesegna-Schule haben wir ganz besondere Schülerinnen und Schüler getroffen.


GPS13.94772 39.08558
Anzahl NutzerInnen259
Fertigstellung30/06/2015
PlaketteNeven Subotic Stiftung 100% WASH


Wir nehmen Euch mit an die Mayferesegna-Grundschule

Die Mayferesegna-Grundschule liegt in einer Gemeinde zwischen Aksum und Hawzen. 156 Schüler werden an ihr von der ersten bis zur vierten Klasse unterrichtet, darunter 62 Mädchen.

Im Rahmen unseres Besuches konnte ich mit Yemen Abadi (zu Deutsch: „Rechte Hand“) sprechen. Der Neunjährige besucht die dritte Klasse der Mayferesegna-Schule und ist laut seiner Lehrerin und seinem Schulleiter ein ganz besonderer Junge. Yemen sei sehr voreilig und wolle am liebsten alle Aufgaben sofort lösen, so wissbegierig sei er.

Er nehme sich aber auch viel Zeit, um zu lernen, und gehöre deshalb zu besten Schülern seiner 40-köpfigen Klasse.

Yemen erzählte mir, er habe eigentlich alle Fächer sehr gerne, am liebsten aber habe er den „Tigrinya“-Unterricht, in dem er etwas über die Kultur, die Tradition und die Sprache der Region lernt. Das mache ihm am meisten Spaß.

Zu Yemens Geschichte gehört nicht nur sein Fleiß in der Schule, sondern auch seine Tapferkeit im Leben. Als er ein Jahr alt war, verlor er seinen Vater, seine Mutter verstarb nur ein Jahr später.
Seitdem lebt er bei seiner Großmutter, 300 Kilometer von seinem ursprünglichen Heimatort entfernt.

Yemen war damals noch sehr klein, seine Oma machte sich deshalb große Sorgen um ihn. Er hatte schon früh Schlimmeres erlebt als viele in ihrem ganzen Leben. Doch das hielt Yemen nicht zurück. Und mithilfe seiner Oma nahm sein Leben eine positive Wendung.

Denn seine Großmutter weiß genau, dass gebildete Männer eine bessere Chance auf ein gutes Leben haben als ungebildete. Also brachte sie Yemen zur Mayferesegna-Schule, wo er täglich auf motivierte Lehrer trifft. Ihr Wunsch ist es, dass er dort lernt, ein gestandener Mann zu werden, der sein Leben im Griff hat und es selbst zum Guten gestalten kann. Dass er das Zeug dazu hat, das hat er in seinem jungen Alter bereits bewiesen. Die Schwierigkeiten, die ihm das Leben brachte, hat er wie ein ganz Großer gemeistert.

In seiner eigentlichen Heimat besitzt Yemens Familie noch einen Esel und ein Kamel. Auch ein Bruder lebe noch dort, hat er mir erzählt. Doch er möchte nicht dorthin zurück. Yemen möchte seine Zeit lieber nutzen, um zu lernen. Sein Traum ist es, eines Tages ein Kassierer zu werden, um sich bei seiner Oma für ihre Unterstützung zu bedanken. Ja, genau, ein Kassierer – für uns klingt das vielleicht nicht nach einem Traumjob. Aber so sind Kinder eben. Ich finde es sehr süß, welch Träume Kinder manchmal haben.

Bis vor ein paar Monaten bezogen Yemen und seine Mitschüler ihr Wasser aus einem alten, tiefen Wasserloch. Das Wasser war verschmutzt und mit Krankheitserregern verunreinigt. Doch das ist jetzt Geschichte. Mithilfe von „100% Hygiene“ haben unsere Partner vor Ort einen Brunnen gegraben, der die Schule mit sauberem Wasser versorgt. Yemens Chancen, seinen Lebenstraum zu verwirklichen, sind seitdem noch einmal ein gutes Stück gestiegen.