May Liham

Der Brunnentechniker Gebre gibt Einblick in seine tägliche Arbeit.


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Wir haben den Brunnentechniker Gebre bei seiner Arbeit begleitet.

Es ging früh zurück in die wunderschöne Gemeinde May Liham, wo wir einem Training eines WASH-Klubs beiwohnen durften. Die sogenannte WASH-Co versammelte sich um Gebre, der erst einmal als eine Art Lehrer den Aufbau des Brunnens auf technische und theoretische Weise erklärte, bevor das Ganze praktisch am Brunnen veranschaulicht wurde.

Wir versuchten, aufmerksam zuzusehen und so zu verstehen, was Gebre erklärte. Wir hatten das Glück, dass unser Dolmetscher Sisei ebenfalls über technisches Know How verfügte und uns somit selbst schulen konnte. Wir lernten, dass es sich bei dem Brunnen in der May-Liham-Gemeinde um ein System mit Handpumpe handelt. Der Brunnen besteht oberirdisch aus einem Grundelement, das den Fuß des Brunnens bildet, auf dem wiederum das bewegliche Hand-Pump-Element sitzt, mit dem dann die Pump-Bewegung ausgeführt wird, um das Wasser hochzupumpen. Unterirdisch besteht die Brunnenkonstruktion aus verschiedenen Elementen, die den Druck erzeugen, um das Wasser aus der Tiefe hochzuholen. Hinzu kommt ein Verschlussmechanismus, der den Zustrom des Wassers beim Pumpen reguliert. Für den Fall, dass das WASH-Co feststellt, dass kein oder nicht genügend Wasser beim Pumpen kommt, besitzt das WASH-Co ein sogenanntes Fishing-Instrument, mit dem es die jeweiligen Elemente bei Defekt aus der Tiefe hochholen und austauschen kann.

Die Ersatzteile lagert das WASH-Co selbst, um so zügig in der Lage zu sein, diese Elemente bei Defekt auszutauschen. In der Regel geht das WASH-Co dabei prophylaktisch vor und tauscht die Elemente halbjährlich aus, um mögliche Schäden schon im Vorfeld zu verhindern. Für den Fall, dass ein Defekt nicht auf ein einzelnes dieser kleineren Elemente zurückzuführen ist, kann das Wash-Co einen externen Wasser-Techniker zu Rate ziehen, der über das erforderliche Werkzeug verfügt, um größere Defekte zu beseitigen.

Wenn auch dieser nicht in der Lage ist, das Problem zu beheben, wird sich wiederum an die nächsthöhere Stelle gewandt usw. Die Wartung und mögliche Reparatur findet also nach einem dezentralisierten Subsidiaritätsprinzip statt: Erst wird auf der kleinsten Stufe versucht, das jeweilige Problem technisch zu beheben, erst danach wird sich an die nächstgelegene Anlaufstelle gewandt, wenn die jeweiligen Verantwortlichen zur Behebung nicht selber in der Lage sind. Dies hat den Vorteil, dass nicht unnötig Ressourcen in Anspruch genommen werden, zum anderen kann das WASH-Co seine Probleme selber regeln, was ihm eine deutliche Autonomie und Unabhängigkeit garantiert.

Für uns war diese Schulung deshalb so spannend, weil wir zum ersten Mal selber über die technische Funktionalität eines Brunnens aufgeklärt wurden. Dadurch haben wir jetzt einen deutlichen Einblick bekommen, wie die Wartung und Reparatur eines Brunnens innerhalb einer Gemeinde auf praktischer Ebene abläuft.

Nach diesem technischen Training wurden wir von der Gemeinde wie schon am Vortag zu leckerem selbstgemachtem Brot, Honig, Popcorn und Kaffee eingeladen. Im Halbschatten sitzend nutzen wir dieses gemeinsame Picknick, um noch ein wenig über den persönlichen Alltag der Dorfbewohner zu erfahren.

So erzählte man uns, dass die Gemeindemitglieder nicht über einen Wecker oder ähnliches verfügen. Wenn sie zu einer bestimmten Zeit des Tags aufstehen wollen, orientieren sie sich an Mond und Sonne sowie den Zeichen der Tiere. Bei Versammlungen nutzen sie ein Horn, um sich gegenseitig einzuberufen und zu informieren.

Der Tagesablauf der Gemeindemitglieder gestaltet sich normalerweise so, dass die Frauen sich um Wasser und Zubereitung der Nahrung sowie die Kinder kümmern, die Männer kümmern sich um die Bestellung der Ackerflächen, wo sie vor allem Getreide anbauen.

Am Abend haben wir dann gemeinsam mit Gebre, unserem Dolmetscher und unseren neuen Freunden zu Abend gegessen. Gebre hat uns auch ein paar neue äthiopische Tanz-Moves beigebracht.